Alexander Rodtschenko – Ausstellung im Martin-Gropius-Bau – Berlin

•August 10, 2008 • 1 Comment







Martin-Gropius-Bau – Berlin

Alexander Rodtschenko
Ausstellungsdauer > 18. August 2008







Alexander Rodtschenko ist einer der großen Künstler des russischen Konstruktivismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist weltweit bekannt geworden und zählt bis heute zu den wichtigsten Positionen der Moderne. Bevor er Mitte der 1920er Jahre die Fotografie als neues Medium für sich entdeckte, hatte er sich bereits als vielseitig tätiger und innovativer Künstler in Moskau hervorgetan. Seine Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen – in einer Zeit epochaler Veränderungen in Russland und in Europa – verändern.




Alexander Rodtschenko
Lilia Brik Portrait for the Poster “Knigi”, 1924
Vintage gelatine silver print cut out and pasted on pink paper,
Private collection
© A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008



Alexander Rodtschenko war ein junger, links orientierter Künstler, als 1917 die Oktoberrevolution in Russland stattfand. Er wurde 1891 in St. Petersburg als Sohn eines Theaterequisiteurs geboren. Die Familie zog 1901 nach Kazan, wo Rodtschenko ab 1910 an der dortigen Kunstschule studierte. Dort lernte er seine spätere Frau, die Künstlerin Warwara Stepanowa kennen. 1914 siedelte Rodtschenko nach Moskau über und studierte kurze Zeit an der Stroganow-Schule für angewandte Kunst. Bereits zu diesem Zeitpunkt lehnte er die etablierten Auffassungen einer sensualistischen, bürgerlichen Kunst ab und beschäftigte sich mit abstrakten Formen.

1916 lernte er Wladimir Tatlin kennen, der ihn zu der von ihm organisierten Ausstellung „Magazin“ einlud, an der neben anderen auch Kasimir Malewitsch, Ljubow Popowa und Alexandra Exter teilnahmen. Nach der Revolution engagierte sich Rodtschenko wie viele andere Avantgardekünstler für den Aufbau neuer Strukturen der künstlerischen Produktion in der jungen Sowjetunion. Von 1918-21 war er Mitglied von IZO Narkompros (Abteilung Bildende Kunst im Volkskommissariat für Aufklärung). 1920 wirkte er als Gründungsmitglied des INChUK (Institut für künstlerische Kultur) und entwickelte mit Wassily Kandinsky und anderen Künstlern die Idee eines Netzes von Kunstmuseen im ganzen Land. Er lehrte von 1920-1930 an der Metallfakultät der WChUTEMAS/WChUTEIN (Höhere Künstlerisch-Technische Werkstätten).

1921 proklamiert er das Ende der Tafelmalerei, nachdem seinem wesentlichen Beitrag zur Abstraktion – Kompositionen aus Punkten und Linien oder Flächen ohne Perspektive – schwebende Raumkonstruktionen gefolgt waren. 1922 nahm er mit diesen Arbeiten an der “Ersten Russischen Kunstausstellung” in der Galerie Van Diemen in Berlin teil.



Alexander Rodtschenko
Soviet Life
Project of the magazine’s cover. 1944
Collage
Private collection
© A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008


Alexander Rodtschenko
Political Football, Photomontage for the Magazine Za rubezhom, 1930
Private collection
© A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008



In den weiteren künstlerischen Diskussionsprozessen der zwanziger Jahre rückte die Rolle der Technik stärker ins Interesse. Im Kreis der Konstruktivisten, zu denen Rodtschenko gehörte, wurde die Losung ausgegeben: „Kunst in die Produktion“. Rodtschenko entwickelte daraus die Vorstellung des Künstler-Ingenieurs, der Kunst primär als Entwerfen von Gebrauchsgegenständen auffasst. Er arbeitete auf dem Gebiet der Werbung mit Wladimir Majakowski zusammen, entwarf Wandgestaltungen, Transparente und Kioske.

Für Majakowskis Gedichtband „Pro eto“ entwickelte Rodtschenko die ersten Fotomontagen aus Wirklichkeitsfragmenten als eigenständige Deutungen zum literarischen Text. Hier gehört er auch zu den Begründern der modernen Typografie. Gleichzeitig wandte er sich entschieden der Fotografie zu. 1924 kaufte sich Rodtschenko den ersten Fotoapparat. Es entstehen die ersten Porträts seiner Familie, von Künstlerfreunden und Kollegen der Zeitschrift LEF wie Wladimir Majakowski, Ossip Brik und Ljubow Popowa. 1925 gestaltete er den Sowjetischen Pavillon für die Ausstellung “Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels modernes” in Paris. Dort kaufte sich Rodtschenko einen neuen Fotoapparat, eine Ica 4×6,5. Diese kleinere Kamera ermöglichte es ihm, neue Motive und Sichtweisen im Freien zu erkunden. Nach Moskau zurückgekehrt, begann er, die Stadt und ihre baulichen und sozialen Veränderungen zu dokumentieren. Eine seiner berühmtesten Serien, „Häuser in der Mjasnitzkaja-Straße“, zeigt die Architektur aus extremer Untersicht. In den folgenden Jahren streifte er durch Moskau und fotografierte die neuesten konstruktivistischen Bauwerke, Arbeiterklubs, Fabriken mit modernen Maschinen und Großküchen, Telegrafenmasten, Elektrizitätswerke, Treppen und Parks. Er hält die Motive in extremen Aufsichten und Untersichten fest, in Diagonalen, Anschnitten und Details. Für das damalige herrschende Sehempfinden war dies ein ungewöhnliches Verfahren. Doch die neuen Aufgaben und Themen verlangten seiner Meinung nach eine neue Form der Darstellung: „Wir müssen unser optisches Erkennen revolutionieren. Wir müssen den Schleier von unseren Augen reißen, der ‚vom Nabel aus’ heißt.“ „Und die interessantesten Blickwinkel der Gegenwart sind die von oben nach unten und von unten nach oben und ihre Diagonalen“. (1928 )
Die Aufnahmen wurden in der 1923 von ihm mitbegründeten Zeitschrift LEF, später in Novy LEF veröffentlicht, für die Rodtschenko auch die Titelseite gestaltete. In Novy LEF veröffentlichte er seine Gedanken zur Aufgabe der Fotografie im Sinne wahrnehmungspsychologischer Überlegungen. „Die moderne Stadt mit ihren vielgeschossigen Häusern, die Werksanlagen, Fabriken usw. die zwei- oder dreigeschossigen Schaufensterzonen, Straßenbahnen, Autos, dreidimensionale Leuchtreklamen, Ozeandampfer, Flugzeuge – all das (…) – hat notwendigerweise die überkommene Psychologie der Wahrnehmung um einiges verändert. Es sieht so aus, als könne nur der Fotoapparat das moderne Leben abbilden.“ (1928 )



Alexander Rodtschenko
Girl with a Leica. 1934
Artist print,
Private collection
© A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008


Alexander Rodtschenko
Guard near Shukhov Tower, 1929
Artist print,
Private collection
© A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008



Doch ab 1928 sah sich Rodtschenko zunehmend scharfer Kritik ausgesetzt. “Gefährlich” und “bürgerlich-formalistisch” ließ die Zeitschrift Sowjetskoje Foto verlauten, kaum waren die ersten dieser Arbeiten in der Zeitschrift Novy LEF erschienen. Er wird als Anhänger der experimentellen Fotografie von Moholy-Nagy und Man Ray diffamiert. Politischer Hintergrund ist eine stärkere Indienstnahme der Fotografie als Mittel der sozialistischen Massenkommunikation, die eindeutig ‚lesbar’ sein sollte. Sowjetische Redaktionen forderten wieder herkömmliche Landschafts-, Porträt- oder Dokumentarfotografie. 1930 sah sich Rodtschenko gezwungen, sein Lehramt bei der WChUTEMAS niederzulegen, 1931 wurde er aus der Gruppe Oktjabr, die sich 1928 aus Novy LEF gebildet hatte, ausgeschlossen.

In den dreißiger Jahren arbeitete Rodtschenko mit seiner Frau Warwara Stepanowa als Gestalter für mehrere Ausgaben der Zeitschrift SSSR na strojke (UdSSR im Aufbau). 1933 reiste er für eine Spezialausgabe der Zeitschrift nach Karelien zur Dokumentation des Baus des Weißmeer-Kanals, der innerhalb von 500 Tagen errichtet werden sollte, größtenteils von Strafgefangenen. In der Zeit der großen Schauprozesse in den dreißiger Jahren begann er wieder zu malen, vor allem Motive aus der Zirkuswelt, die er auch fotografierte. Für 1940 ist eine eigene Ausgabe zum Zirkus in der Zeitschrift SSSR na strojke geplant, die durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges nicht mehr realisiert wird. Nach dem Krieg, schon gesundheitlich angeschlagen, experimentierte er mit Farbfotografie und arbeitete als Gestalter. Am 3. Dezember 1956 starb Alexander Rodtschenko in Moskau.

Die im Martin-Gropius-Bau gezeigte Ausstellung zeigt die vielen Facetten von Rodtschenkos bahnbrechendem fotografischen Werk: den Beginn mit den Fotomontagen, die Porträts der Freunde und Familie, die Experimente mit Perspektive, Bildstrukturen, Licht- und Schattenwirkung, die Reportagen und spätere Experimente mit Farbfotografie. Erstmals sind Arbeiten aus dem von den Erben verwalteten Nachlass zu sehen. Die Ausstellung wurde von Olga Swiblowa, Direktorin des „Haus der Fotografie Moskau“ kuratiert





Text © Martin-Gropius-Bau
Bilder © A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Alle Rechte vorbehalten





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Chinesische Architektur von Ernst Boerschmann. Die Ausstellung 1912

•August 10, 2008 • Leave a Comment







Museen Dahlem – Museum für Asiatische Kunst / Berlin

Chinesische Architektur von Ernst Boerschmann. Die Ausstellung 1912
Ausstellungsdauer > 9. November 2008







Ernst Boerschmann beschäftigte sich in den Jahren 1906 bis 1909 im Auftrag der deutschen Regierung in China mit dem Studium der chinesischen Baukunst. Seine zeichnerischen und fotografischen Aufnahmen wurden in einer Auswahl von 204 Fotografien vom 4. Juni bis 20. Juli 1912 im Königlichen Kunstgewerbe-Museum zu Berlin ausgestellt.
Ein Großteil der Fotografien befindet sich heute in der Sammlung der Kunstbibliothek. Im Rahmen eines Seminars der Abteilung Ostasien des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität zu Berlin bearbeiten die Studierenden eine Auswahl dieser Fotografien. Boerschmann hat die chinesische Architektur in 14 Provinzen erforscht und hat seine Ausstellung unter die Themen “Gräber”, “Ahnenschreine”, “Tempel”, “Pagoden” gestellt. Zudem stellte er Architekturkomplexe in den verschiedenen Provinzen dar.




Ernst Boerschmann (1873-1949)
Ahnenhalle im Tempel der Familie Chen, Kanton, Provinz Guangdong, 1907
21,7 x 29,3 cm
© Kunstbibliothek – Sammlung Fotografie – Museum für Fotografie



Lange wurde in Berlin die Auseinandersetzung mit der klassischen chinesischen Architektur vernachlässigt. Seit 1945, als Ernst Boerschmann (geb. 1873 in Prökuls, Memel, gest. 1949 in Bad Pyrmont) nicht mehr chinesische Architektur an der Technischen Universität Berlin unterrichtete, wurde diesem Fach in Berlin kaum noch Beachtung geschenkt. Seine Lehrtätigkeit von 1924 bis 1945 als Honorarprofessor an der TU Berlin scheint trotz seiner zahlreichen noch immer lesens- und “sehenswerten” Publikationen in Vergessenheit geraten zu sein. Dabei war Ernst Boerschmann einer der Pioniere dieses Faches sowohl in als auch außerhalb Chinas und sein Name genießt in der Fachwelt und vor allem in China heute immer noch höchstes Ansehen.

Von 1906 bis 1909 war Ernst Boerschmann von der deutschen Regierung nach China entsandt, um dort chinesische Architektur zu erforschen. Er bereiste 14 chinesische Provinzen und kehrte mit über 3000
Photographien zurück. Zudem führte er ausführlich Tagebuch mit detaillierten Zeichnungen, Grundrissen, genauen Angaben zur Konstruktion von Gebäuden, etc.



Ernst Boerschmann (1873-1949)
Die kaiserliche Bibliothek Wenlange am Westsee, Provinz Zhejiang, 1909
21,7 x 29,3 cm
© Kunstbibliothek – Sammlung Fotografie – Museum für Fotografie


Ernst Boerschmann (1873-1949)
Banbian Tempel in Yibin, Provinz Sichuan, 1907
© Kunstbibliothek – Sammlung Fotografie – Museum für Fotografie



Vom 4. Juni und 20. Juli 1912 stellte er im Kunstgewerbemuseum der Königlich Preußischen Museen in der Ausstellung ‘Chinesische Architektur’ an Hand von 204 Photographien und zahlreichen Zeichnungen die Ergebnisse seines Forschungsaufenthaltes erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor. Die Photographien gingen in den Besitz des Kunstgewerbemuseums über; sie befinden sich heute fast vollständig in der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu
Berlin.


Als dem Museum für Asiatische Kunst über 3000 Negative und die 12 Tagebücher dieser Reise Ernst Boerschmanns zum Kauf angeboten wurden, entstand die Idee, gemeinsam mit Studierenden der Ostasiatischen Abteilung des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität, seine Leistung als Kunsthistoriker und als Photograph mit einer Ausstellung zu würdigen.

Im Verlaufe eines Seminars wurden 40 Photographien ausgewählt und ausführlich beschrieben. Sie werden im Raum für chinesische Malerei der Ostasiatischen Kunstsammlung des Museums für Asiatische Kunst in Dahlem gezeigt.

Durch das furchtbare Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan am 8. Mai 2008 gewann dieses Seminar aktuelle Bedeutung. Zahlreiche Photographien Boerschmanns zeigen Bauwerke, die bei dieser Naturkatastrophe zerstört wurden. Mit dieser Ausstellung verbindet sich die Hoffnung, daß die Negativsammlung und die Tagebücher, eine Fundgrube vor allem für chinesische Architekturhistoriker und Denkmalpfleger, für eine Berliner Forschungsinstitution gesichert werden können.





Text © Museen Dahlem
Bilder © Kunstbibliothek – Sammlung Fotografie – Museum für Fotografie
Alle Rechte vorbehalten





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Paul Klee in der Albertina, Wien

•July 10, 2008 • Leave a Comment







Albertina, Wien

Paul Klee. FormenSpiele
9. Mai bis 10. August 2008







Die Albertina widmet vom 9. Mai bis 10. August 2008 einem der wichtigsten Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Paul Klee – eine umfassende, retrospektiv angelegte Ausstellung. Ausgangspunkt der Ausstellung ist eine Schenkung von Werken des Deutsch-Schweizer Künstlers durch Carl Djerassi. 67 Arbeiten, etwa die Hälfte seiner bedeutenden Klee-Sammlung, sind der Albertina als „promised gift“ überlassen worden. Sie bilden den Kern der Ausstellung, ergänzt durch eine Auswahl der Bestände der Albertina sowie Werken aus internationalen Museen und privaten Sammlungen.



Paul Klee – Blaumantel, 1940,7
Öl auf Wachsfarben auf Papier und Karton
© VBK Wien, 2008
Extended loan of the Carl Djerassi Albertina, Wien – promised gift ot the Carl Djerassi Art Trust II



FormenSpiele

Eines der Kennzeichen des Schaffens Paul Klees ist der spielerische Umgang mit einem vielfältigen Formenrepertoire. Paul Klee, der einen Großteil seines Werks im kleinen Format realisierte, gehört zu den bedeutendsten und heute auch populärsten Künstlern der Klassischen Moderne.

Dass Paul Klee lange mit seiner Kunst ringen musste, bevor er einer der Meister der Farbe in den frühen 1910er Jahren wurde, zeigen die frühesten Arbeiten: Groteske Figuren bringen seine Kritik an der Gesellschaft zum Ausdruck. Sie gelten auch als Metaphern des Scheiterns, als Darstellung eines Kulturpessimismus, der an der Wende zum 20. Jahrhundert etwa auch in den Werken der Symbolisten eine Parallele findet.

Zur farbigen Gestaltung gelangt Paul Klee schlussendlich über die Beschäftigung mit der Farbtheorie von Robert Delaunay, den er 1912 in Paris traf. Die Auseinandersetzung mit den Werken und Theorien Delaunays bedeutet auch die Hinwendung zur Abstraktion und der Autonomie der Farbe. Auch für die Künstler des „Blauen Reiters“ – vor allem August Macke und Franz Marc – wurde die Malerei Delaunays ein wichtiger Bezugspunkt.

Trotzdem brachte erst die berühmte Tunis-Reise für Paul Klee den Durchbruch
in seiner Beherrschung der Farbe: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht mehr
nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler“, jubelte er im April 1914. Während der zwölftägigen Reise besuchten Paul Klee, August Macke und der Schweizer Maler Louis Moilliet Tunis, Hammamet und Kairouan. Klee fühlte sich vom Licht Nordafrikas inspiriert und begann, seine Aquarelle mit durchsichtigen, übereinander gelegten Farben zu gestalten. Ein Grundgerüst quadratischer Formen wurde durch einige wenige gegenständliche Hinweise als Architektur- oder Landschaftsform erkennbar. Abstraktion gepaart mit Formgefühl und leuchtendem Kolorit sind wesentliches Merkmal jener Werke, die bis heute zu den Inkunabeln der Kleeschen Malkunst gehören. Es verwundert heute kaum, dass ab 1916 auch der wirtschaftliche Erfolg des Künstlers nicht mehr auf sich warten ließ. 1920 präsentierte er eine erste Retrospektive, und zwei Monografien zu seinem Werk erschienen.



Paul Klee
Schaukel, 1914, 17
Feder auf Papier auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien


Paul Klee
Wald bei G., 1925, 139
Feder und Aquarell auf Papier auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien – promised gift of the Carl Djerassi Art Trust II


Paul Klee
Porquerolles, 1927, 195
Feder, Kreide und Bleistift auf Papier auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien – promised gift of the Carl Djerassi Art Trust II



Paul Klee thematisierte den Ersten Weltkrieg nur marginal in seinem Werk. Er entwickelte in dieser Zeit eine unverwechselbare künstlerische Sprache, in der die Zeichen und Symbole seiner spielerischen, manchmal kindlich verklärt wirkenden Bildwelt ihren endgültigen Einzug finden. Gestirne, Tiere, Pflanzen und Blumen, in der Art von Kinderzeichnungen gestaltete Figuren und Figürchen, Engel und Dämonen bevölkern das Werk dieser Jahre.

Öffentliche Anerkennung wurde Paul Klee durch die Berufung an das Weimarer Bauhaus 1920 zuteil. Zwischen Jänner 1921 und Herbst 1930 unterrichtete Klee am Bauhaus, er leitete die Buchbinderwerkstatt sowie später die Textilwerkstatt und auch das Atelier für Glasmalerei. Theoretischer Unterricht – wie Farbtheorie und Formenlehre – sollte den Schülern zusätzlich ein Gefühl für die Organisation von Flächen vermitteln. Gegen Ende seiner Lehrtätigkeit fand Paul Klee immer weniger Zeit für seine eigene künstlerische Tätigkeit, sodass er sich 1930 vom Bauhaus zurückzog, um an der Düsseldorfer Akademie zu unterrichten. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und ihre ablehnende Haltung seiner Kunst gegenüber führten jedoch zur baldigen Entlassung des Künstlers und seiner Emigration in die Schweiz (Dezember 1933). Paul Klees Kunst wurde als „entartet“ eingestuft. 17 seiner Werke wurden auf der gleichnamigen Ausstellung in München 1937 der Öffentlichkeit präsentiert und 102 Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen entfernt und verkauft.

Das in der Schweiz geschaffene Spätwerk des Künstlers ist geprägt von der Erfahrung der Emigration, aber auch dem Ausbruch der seltenen Autoimmunerkrankung Sklerodermie. Sein Stil änderte sich entschieden: keine feinen Linien, sondern körperhafte, balkenartige Zeichen und Hieroglyphen bestimmen nun seine Bildflächen, leuchtende Bildgründe lassen die Kontraste besonders hervortreten. Ab 1937 wandte sich Paul Klee wieder verstärkt der Figuration zu.



Paul Klee
Gartenhaus, 1929, 347
Oil on canvas
© VBK Wien, 2008
Albertina, On permanent loan from the Forberg Collection


Paul Klee
Das Märchen von den beiden Fischen, 1937,187
Pastell auf Baumwolle auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien – Dauerleihgabe der Sammlung Forberg



Als Klee am 29. Juni 1940 starb, hinterließ er ein Oeuvre von etwa 9000 Werken, 1000 davon schuf er in den letzten fünf Lebensjahren. Seine Kompositionen haben in der breiten Öffentlichkeit erstaunliche Popularität erlangt, obwohl sie sich einer einfachen Deutung entziehen. Die erzählerischen Titel laden den Betrachter immer wieder ein, die Bilderfindung mit phantastischen Geschichten zu „erklären“, denn – so einer der bekanntesten Aussprüche des Künstlers: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Paul Klee in der Albertina

Wie bei kaum einem anderen Künstler spielt die Grafik im Werk von Paul Klee eine herausragende Rolle. Von den ungefähr 9000 Werken des Oeuvrekatalogs sind mehr als die Hälfte Papierarbeiten. Damit kann Klee als einer der wichtigsten Grafiker des frühen 20. Jahrhunderts gelten, als Suchender und Experimentierender der Linie und des Kleinformats. Es ist nicht verwunderlich, dass ihn mit Alfred Kubin ab 1911 eine langjährige Freundschaft und ein intensiver künstlerischer Austausch verband. Mit Kubins Nachlass gelangte ein ganzes Zeichnungskonvolut von Klee-Blättern an die Albertina. Von Kubin zwischen 1910 und 1920 zusammengetragen, dokumentieren sie die Zeit der ersten künstlerischen Reifung Klees. Dieser Sammlungsbestand der Albertina wird nun durch die vertrauensvolle Übertragung herausragender Blätter aller Schaffensperioden Paul Klees durch Carl Djerassi ergänzt.

Die Sammlung von Carl Djerassi

Carl Djerassi, Professor emeritus für Organische Chemie der Stanford University, wurde als „Vater der Antibabypille“ berühmt. Der 1923 in Wien geborene Wissenschafter sammelt seit Mitte der 1960er Jahren mit großem Enthusiasmus und Kennerschaft Werke von Paul Klee. Er selbst beschreibt die Beziehung eines Sammlers zu seinen Werken als „persönliche Liebesgeschichte“. Von den etwa 160 Arbeiten, die Carl Djerassi besitzt, werden der Albertina 67 überantwortet, der zweite Teil der Sammlung ging bereits an das San Francisco Museum of Modern Art. Damit verbindet Carl Djerassi zwei wichtige Lebensorte: Wien – seine Geburtsstadt – und San Francisco – die Stadt, die ihm nach der Emigration aus dem nationalsozialistischen Österreich zuerst Zuflucht und dann Heimat bot.





© Text mit freundlicher Genehmigung der Albertina Wien
Bilder © VBK Wien, 2008. Alle Rechte vorbehalten.

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Thomas Demand. Camera – verlängert bis 20. Juli 2008

•July 5, 2008 • 2 Comments





Thomas Demand. Camera

verlängert bis 20. Juli 2008

in der Galerie der Gegenwart

\

Thomas Demand

Camera, 2007

© Thomas Demand / VG Bild-Kunst, Bonn 2008



Hamburger Kunsthalle

Thomas Demand – Camera
Galerie der Gegenwart
verlängert bis 20. Juli 2008


Thomas Demand gehört heute zu den international renommiertesten Künstlern der Gegenwart. Erst kürzlich wurde seine Arbeit in einer umfassenden Ausstellung der Fondazione Prada in Venedig präsentiert, 2005 zeigte das Museum of Modern Art in New York anlässlich der Eröffnung seines Neubaus eine monographische Ausstellung seiner Photographien.


\"© Thomas Demand / VG Bild-\"
Thomas Demand
Klause V, 2006
C-Print/ Diasec, 197x137cm
© Thomas Demand / VG Bild-
Kunst, Bonn 2008
Courtesy Galerie Sprüth Magers



Die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle gibt einen konzentrierten Einblick in die politische Brisanz seiner Arbeiten. Der Betrachter wird mit den Lügen der Politik, den Abgründen der Normalität, mit Überwachung und Erpressung in glasklaren und zugleich rätselhaften Bildern konfrontiert. Thomas Demands Photographien faszinieren durch die suggestive und geradezu unheimliche Präsenz ihrer fiktionalen Bilderwelten. Reale Räume oder Szenerien, die bereits als Bilder durch Printmedien oder im Fernsehen verbreitet wurden, rekonstruiert der Künstler in Originalgröße im Atelier als Modell, um sie dann als großformatige Photographien abzulichten.

In einer eigens von Thomas Demand für die Galerie der Gegenwart entwickelten Installation zeigt die Hamburger Kunsthalle Werke aus den Jahren 2005 bis 2007. Ausgehend von dem Filmloop Camera (2007) beginnt die Ausstellung mit neun Photographien zur Folge Embassy (2007). Die Bilder zeigen die Nigrische Botschaft in Rom, aus der bei einem Einbruch Unterlagen entwendet wurden, die dem amerikanischen Geheimdienst als Argument für den Irakkrieg dienten. Die Bildserie beruht auf Forschungsarbeiten, die der Künstler selbst durchgeführt hat, da kein Reporter jemals Zugang zu dem Ort hatte. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Arbeit Klause aus dem Jahr 2006. Die fünf Photographien entstanden im Dialog zu Max Beckmanns Apokalypsenillustrationen (1941/42). Im Gegensatz zu Beckmann, der den biblischen Text direkt illustriert, greift Demand ein dem Text entsprechendes Ereignis aus der jüngsten Gegenwart auf, den Fall eines mutmaßlichen Verbrechens in Burbach im Saarland. Der Fall wurde jedoch nie aufgeklärt, das Opfer nie gefunden. Demand bezieht sich in seinen Bildern vor allem auf die Berichterstattung, nicht auf die eigentlichen Taten.


\

Thomas Demand
Camera, 2007
HD-Video, 1,40min, Loop, stereo
© Thomas Demand / VG Bild-Kunst,
Bonn 2008

\"embassy_1_© Thomas Demand / VG Bild-Kunst, Bonn 2008\"Thomas Demand
Embassy I, 2007
C-Print/ Diasec, 204 x 168 cm
© Thomas Demand / VG Bild-
Kunst, Bonn 2008
Courtesy Esther Schipper

\"embassy_5_© Thomas Demand / VG Bild-Kunst, Bonn 2008\"
Thomas Demand
Embassy V, 2007
C-Print/ Diasec, 164 x 224 cm
© Thomas Demand / VG Bild-Kunst,
Bonn 2008
Courtesy Galerie Sprüth Magers

Thomas Demand :

1964 in München geboren, studierte Thomas Demand von 1987–89 an der Akademie der
Bildenden Künste in München;1989 bis 1992 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und von 1993 bis 1994 Studium am Goldsmiths’ College, London, M.A. Demand lebt und arbeitet in Berlin.

\"portrait_Portrait Thomas Demand_© Christy Lange\"
Portrait Thomas Demand
© Christy Lange





Photos Courtesy Hamburger Kunsthalle
© Photos Thomas Demand / VG Bild-Kunst, Bonn 2008. All rights reserved.
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Die 15. Silbertriennale – Pinakothek der Moderne, München

•July 2, 2008 • Leave a Comment







Pinakothek der Moderne, München

POSITIONEN ZEITGENÖSSISCHER SILBERSCHMIEDEKUNST
Die 15. Silbertriennale
02.07.-21.09.2008




Veranstalter: Die Neue Sammlung – Staatliches Museum für angewandte Kunst |
Design in der Pinakothek der Moderne



Einer der kostbarsten Stoffe der Erde zeigt sich von seiner edelsten Seite und nimmt Form an als Gebrauchsgerät oder freies Objekt. Teilnehmer aus 19 Ländern und Preisträger aus Korea und Italien belegen eindrücklich das hohe internationale Renommee, das die seit 1965 durchgeführte Silbertriennale inzwischen erworben hat. Rund 100 Arbeiten wählte die Jury für die Ausstellung aus.




Sophie Barbara Kloess | Servierlöffel | o.J.
Foto: Thomas Bach

Pressekonferenz | PINAKOTHEK DER MODERNE
Silbertriennale
01.07.2008



Diese »Glanzstücke« zeigen beispielhaft die unterschiedlichen Ansätze und Positionen zeitgenössischen Silberschmiedens – und damit die immer wieder neue Faszination und den Reiz dieses Materials: Kostbarkeit und Raffinesse oder Bekenntnis zum Verspielten, weich fließende oder betont scharfkantige Formen, scheinbar roh belassene oder hochpolierte Oberflächen, Materialmix, Farbvalenzen, matter Schimmer oder blitzende Reflexe, und eine stilistische Bandbreite von strengem Minimalismus zu Anklängen an Archaisches, von Organisch-Biomorphem zu konzeptionellen oder
narrative Ansätzen.


3. Preis | Fausto Maria Franchi | Cup Tolleranza | 2006
Foto: Thomas Bach

Pressekonferenz | PINAKOTHEK DER MODERNE
Silbertriennale
01.07.2008


Beate Leonards | Vorlegelöffel | 2004
Foto: Thomas Bach

Pressekonferenz | PINAKOTHEK DER MODERNE
Silbertriennale
01.07.2008


Oliver Schmidt | Besteck | 2006
Foto: Thomas Bach

Pressekonferenz | PINAKOTHEK DER MODERNE
Silbertriennale
01.07.2008


Eine Ausstellung der Neuen Sammlung München in Kooperation mit der Gesellschaft für Goldschmiedekunst, dem Deutschen Goldschmiedehaus Hanau und der Silbermanufaktur Robbe & Berking.





© Text mit freundlicher Genehmigung der Pinakothek der Moderne, München
© Fotos Pinakothek der Moderne. Alle Rechte vorbehalten.


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VESSELS – Vorankuendigung 58

•July 2, 2008 • Leave a Comment







VESSELS – Forum der internationalen Gefässkunst








Copyright Object : Anders Ljungberg
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Richard Hamilton – „Virtuelle Räume“

•July 1, 2008 • Leave a Comment







Kunsthalle Bielefeld

Richard Hamilton – „Virtuelle Räume“
25. Mai bis 10. August 2008




Richard Hamilton, geboren 1922 in London, gehört zu den wegweisenden Künstlern der Gegenwart. Ihm wird nicht nur die Erfindung der Pop Art zugeschrieben, er war auch der erste, der sich dem kontinuierlichen Studium der Mechanisierung und Digitalisierung von Bildern gewidmet hat. Bereits 1949 zerlegte er seine Motive, um ausgehend von Marcel Duchamps „Akt, eine Treppe herabsteigend“ die Frage zu stellen, wie sich ein Gegenstand bei Bewegung verändert.


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Porträt Richard Hamilton,
Photo Joachim Schmidt-Dominé



Anatomisch und perspektivisch korrektes Darstellen hat er mit nur sechzehn Jahren an den Londoner Royal Academy Schools erlernt. Die Technik der Ingenieurszeichnung eignete er sich während des Zweiten Weltkriegs an. Seine anschließende Mitarbeit an kulturgeschichtlich aktuellen Ausstellungen wie „Growth and Form“ 1951 im Londoner Institute of Contemporary Art beflügelte ihn zu einer individuellen Morphologie, die in den kommenden fünfzig Jahren neben dem Porträt vorrangig häusliche sowie technische Gegenstände umfassen sollte. Durch die Ausstellungsprojekte „Parallel of Life and Art“ und “Man, Machine and Motion” 1953 sowie „This is Tomorrow“ 1956, in deren Rahmen Hamiltons berühmte Collage mit dem Wort „Pop“ erschienen ist, entpuppt sich Hamilton als akribischer Erforscher eines Bild-Universums, in dem, wie er sicht selbst ausdrückt, „Blasen bestimmte Gestalten annehmen“ („in which bubbles take certain shapes“).

Schon in den 1950er Jahren, inspiriert durch ein Buch von Claude Shannon, glaubte Hamilton, dass das binäre System die Voraussetzung schaffen würde, alle Motive darzustellen. Das digitale Zeitalter war für ihn geboren. Seit den frühen 1970er Jahren, seit es käufliche Computer gibt, greift Hamilton auf die fortgeschrittenste Hard- und Software zu, um seine eigenen Werke digital zu generieren. Mit den neuesten Bildprogrammen und Druckern beginnt er, sogar frühere Arbeiten zu verändern und ein weiteres Mal zu vervollkommnen. Das Geschenk, sagt Hamilton, das der Computer einem bekennenden Collagisten machen kann, ist das Maß der Kontrolle.

Am Anfang steht seine eigene berühmte Pop-Collage von 1956, „Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?“, die er aufgrund einer BBC-Anfrage 1994 „aktualisiert“. Das historische Blatt, das einen Mann, eine Frau und gefundene Bilder zu den Themen Geschichte, Essen, Zeitung, Kino, Fernsehen oder Comics zeigt, wird von ihm zunächst mit der banalen Postkarte eines einfachen spanischen Hotelzimmers hinterlegt. In diesen Raum, der von ihm maßstäblich angepasst wird, fügt er nach und nach zeitgemäße Gegenstände ein, bis „der Moment der Wahrheit“ gekommen und das Kunstwerk in seinen Augen fertig ist.

„Virtuelle Räume“

Hamiltons Ausstellung „Virtuelle Räume“ zeigt nicht nur großartige Werkbeispiele aus den letzten fünfzehn Jahren. Sie dokumentiert, in welchem Umfang der Künstler seit 1994 scheinbar einfache Bilder, zum Beispiel die Postkarte eines jungen japanischen Hochzeitspaars, aufgegriffen hat, um sie die Variationen erzähltechnisch wie erkenntnistheoretisch aufzuladen. Durch das ständige digitale Probieren werden Meisterwerke geschaffen. Trotz der Vollendung gibt es zu den Ergebnissen scheinbar immer noch Alternativen. Hamilton huldigt inzwischen nicht mehr allein Duchamp, sondern auch Jan van Eyck oder Diego Velázquez, Vermeer van Delft oder Fra Angelico. Seine neuesten Werke stellen sich ästhetisch beinahe auf eine Stufe mit der Renaissance. Gleichzeitig bekunden sie, dass sie in Zukunft anders zusammengesetzt werden könnten.


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Richard Hamilton
An annunciation (b), 2005 – 2006,
Öl auf Inkjet auf Leinwand, 56,5 x 55,5 cm,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008

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Richard Hamilton
Bathroom – fig.2 II 2005.06,
Oil on Fuji/Océ Light Jet on canvas,100 x 100 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008



Erstmals hat Hamilton seinen Weg zu den digitalen Meisterwerken 2006 in der Londoner Galerie Alan Cristea offen gelegt. Unter dem Titel „Painting by Numbers“ hat er 63 Alternativen zu besonders bekannten Drucken vorgestellt. Er zeigte abstrakte neben figurativen Lösungen oder Beleuchtungswechsel in einem Interieur. Einer seiner jüngsten Drucke, der digitale Inkjetprint „The Annunciation“ von 2005, hat sich ein Jahr später als Reflex einer weiteren Bilderserie, „A Host of Angels“, entpuppt. Sie wurde vom Künstler 2007 im Rahmen der Biennale von Venedig in der Fondazione Bevilacqua La Masa gezeigt.

Die Kunsthalle Bielefeld präsentiert mit mehr als achtzig Beispielen erstmals beide Werkgruppen Hamiltons zusammen, sowohl die 68 Drucke aus der fünfteiligen Werkgruppe „Painting by Numbers“ von 1994 bis 2005 als auch die Leinwandserie „A Host of Angels“, bestehend aus vierzehn Bildern von 1993 bis 2007. Sie fügt ausgewählte Museumsleihgaben aus den 1990er Jahren hinzu und stellt Hamiltons allerneueste Werkgruppe der „Toaster“ vor, die auf eine Inkunabel der Pop Art, seinen „Toaster“ aus Metall, Holz und Papier von 1964 zurück geht. Damit wird Richard Hamiltons Schaffen aus den vergangenen fünfzehn Jahren umfassend und äußerst zeitnah dokumentiert.


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Richard Hamilton
Kunsthalle Bielefeld 1978,
Grafit und Pastell, 46 x 56, Privatbesitz
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008



In der romanisch anmutenden Kunsthalle von Philip Johnson wird das aktuelle Werk des heute 86jährigen Künstlers in einer einzigartigen Tiefe erscheinen. In einem Begleitfilm wird Hamilton seine Werke erläutern. Zu beiden Werkgruppen erscheinen in der Edition Hansjörg Mayer Einzelkataloge im Schuber in deutscher oder englischer Sprache, die gemeinsam zum Sonderpreis von € 28,- erhältlich sind.

Bereits 1978 hatte Hamilton in der Kunsthalle Bielefeld ausgestellt. Damals zeigte er am Beispiel von annähernd zweihundert Papierarbeiten den Prozess seiner Studien seit 1937. In der jetzigen Ausstellung „Richard Hamilton. Virtuelle Räume“ finden Jugendliche von 16 bis 26 Jahren die Möglichkeit, die Collagetechnik und Hamiltons Installation im Kölner Museum Ludwig durch das Programm „Hamilton Spezial“ kennen zu lernen. Die NRW.Bank in Düsseldorf, die die 68teilige Werkgruppe „Painting by Numbers“ von Hamilton 2007 vollständig erworben hat, unterstützt die Ausstellung.





© Text mit freundlicher Genehmigung der Kunsthalle Bielefeld
© Fotos. Alle Rechte vorbehalten.

Spezieller Dank an die Kunsthalle Bielefeld


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