Paul Klee in der Albertina, Wien







Albertina, Wien

Paul Klee. FormenSpiele
9. Mai bis 10. August 2008







Die Albertina widmet vom 9. Mai bis 10. August 2008 einem der wichtigsten Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Paul Klee – eine umfassende, retrospektiv angelegte Ausstellung. Ausgangspunkt der Ausstellung ist eine Schenkung von Werken des Deutsch-Schweizer Künstlers durch Carl Djerassi. 67 Arbeiten, etwa die Hälfte seiner bedeutenden Klee-Sammlung, sind der Albertina als „promised gift“ überlassen worden. Sie bilden den Kern der Ausstellung, ergänzt durch eine Auswahl der Bestände der Albertina sowie Werken aus internationalen Museen und privaten Sammlungen.



Paul Klee – Blaumantel, 1940,7
Öl auf Wachsfarben auf Papier und Karton
© VBK Wien, 2008
Extended loan of the Carl Djerassi Albertina, Wien – promised gift ot the Carl Djerassi Art Trust II



FormenSpiele

Eines der Kennzeichen des Schaffens Paul Klees ist der spielerische Umgang mit einem vielfältigen Formenrepertoire. Paul Klee, der einen Großteil seines Werks im kleinen Format realisierte, gehört zu den bedeutendsten und heute auch populärsten Künstlern der Klassischen Moderne.

Dass Paul Klee lange mit seiner Kunst ringen musste, bevor er einer der Meister der Farbe in den frühen 1910er Jahren wurde, zeigen die frühesten Arbeiten: Groteske Figuren bringen seine Kritik an der Gesellschaft zum Ausdruck. Sie gelten auch als Metaphern des Scheiterns, als Darstellung eines Kulturpessimismus, der an der Wende zum 20. Jahrhundert etwa auch in den Werken der Symbolisten eine Parallele findet.

Zur farbigen Gestaltung gelangt Paul Klee schlussendlich über die Beschäftigung mit der Farbtheorie von Robert Delaunay, den er 1912 in Paris traf. Die Auseinandersetzung mit den Werken und Theorien Delaunays bedeutet auch die Hinwendung zur Abstraktion und der Autonomie der Farbe. Auch für die Künstler des „Blauen Reiters“ – vor allem August Macke und Franz Marc – wurde die Malerei Delaunays ein wichtiger Bezugspunkt.

Trotzdem brachte erst die berühmte Tunis-Reise für Paul Klee den Durchbruch
in seiner Beherrschung der Farbe: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht mehr
nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler“, jubelte er im April 1914. Während der zwölftägigen Reise besuchten Paul Klee, August Macke und der Schweizer Maler Louis Moilliet Tunis, Hammamet und Kairouan. Klee fühlte sich vom Licht Nordafrikas inspiriert und begann, seine Aquarelle mit durchsichtigen, übereinander gelegten Farben zu gestalten. Ein Grundgerüst quadratischer Formen wurde durch einige wenige gegenständliche Hinweise als Architektur- oder Landschaftsform erkennbar. Abstraktion gepaart mit Formgefühl und leuchtendem Kolorit sind wesentliches Merkmal jener Werke, die bis heute zu den Inkunabeln der Kleeschen Malkunst gehören. Es verwundert heute kaum, dass ab 1916 auch der wirtschaftliche Erfolg des Künstlers nicht mehr auf sich warten ließ. 1920 präsentierte er eine erste Retrospektive, und zwei Monografien zu seinem Werk erschienen.



Paul Klee
Schaukel, 1914, 17
Feder auf Papier auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien


Paul Klee
Wald bei G., 1925, 139
Feder und Aquarell auf Papier auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien – promised gift of the Carl Djerassi Art Trust II


Paul Klee
Porquerolles, 1927, 195
Feder, Kreide und Bleistift auf Papier auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien – promised gift of the Carl Djerassi Art Trust II



Paul Klee thematisierte den Ersten Weltkrieg nur marginal in seinem Werk. Er entwickelte in dieser Zeit eine unverwechselbare künstlerische Sprache, in der die Zeichen und Symbole seiner spielerischen, manchmal kindlich verklärt wirkenden Bildwelt ihren endgültigen Einzug finden. Gestirne, Tiere, Pflanzen und Blumen, in der Art von Kinderzeichnungen gestaltete Figuren und Figürchen, Engel und Dämonen bevölkern das Werk dieser Jahre.

Öffentliche Anerkennung wurde Paul Klee durch die Berufung an das Weimarer Bauhaus 1920 zuteil. Zwischen Jänner 1921 und Herbst 1930 unterrichtete Klee am Bauhaus, er leitete die Buchbinderwerkstatt sowie später die Textilwerkstatt und auch das Atelier für Glasmalerei. Theoretischer Unterricht – wie Farbtheorie und Formenlehre – sollte den Schülern zusätzlich ein Gefühl für die Organisation von Flächen vermitteln. Gegen Ende seiner Lehrtätigkeit fand Paul Klee immer weniger Zeit für seine eigene künstlerische Tätigkeit, sodass er sich 1930 vom Bauhaus zurückzog, um an der Düsseldorfer Akademie zu unterrichten. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und ihre ablehnende Haltung seiner Kunst gegenüber führten jedoch zur baldigen Entlassung des Künstlers und seiner Emigration in die Schweiz (Dezember 1933). Paul Klees Kunst wurde als „entartet“ eingestuft. 17 seiner Werke wurden auf der gleichnamigen Ausstellung in München 1937 der Öffentlichkeit präsentiert und 102 Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen entfernt und verkauft.

Das in der Schweiz geschaffene Spätwerk des Künstlers ist geprägt von der Erfahrung der Emigration, aber auch dem Ausbruch der seltenen Autoimmunerkrankung Sklerodermie. Sein Stil änderte sich entschieden: keine feinen Linien, sondern körperhafte, balkenartige Zeichen und Hieroglyphen bestimmen nun seine Bildflächen, leuchtende Bildgründe lassen die Kontraste besonders hervortreten. Ab 1937 wandte sich Paul Klee wieder verstärkt der Figuration zu.



Paul Klee
Gartenhaus, 1929, 347
Oil on canvas
© VBK Wien, 2008
Albertina, On permanent loan from the Forberg Collection


Paul Klee
Das Märchen von den beiden Fischen, 1937,187
Pastell auf Baumwolle auf Karton
© VBK Wien, 2008
Albertina, Wien – Dauerleihgabe der Sammlung Forberg



Als Klee am 29. Juni 1940 starb, hinterließ er ein Oeuvre von etwa 9000 Werken, 1000 davon schuf er in den letzten fünf Lebensjahren. Seine Kompositionen haben in der breiten Öffentlichkeit erstaunliche Popularität erlangt, obwohl sie sich einer einfachen Deutung entziehen. Die erzählerischen Titel laden den Betrachter immer wieder ein, die Bilderfindung mit phantastischen Geschichten zu „erklären“, denn – so einer der bekanntesten Aussprüche des Künstlers: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Paul Klee in der Albertina

Wie bei kaum einem anderen Künstler spielt die Grafik im Werk von Paul Klee eine herausragende Rolle. Von den ungefähr 9000 Werken des Oeuvrekatalogs sind mehr als die Hälfte Papierarbeiten. Damit kann Klee als einer der wichtigsten Grafiker des frühen 20. Jahrhunderts gelten, als Suchender und Experimentierender der Linie und des Kleinformats. Es ist nicht verwunderlich, dass ihn mit Alfred Kubin ab 1911 eine langjährige Freundschaft und ein intensiver künstlerischer Austausch verband. Mit Kubins Nachlass gelangte ein ganzes Zeichnungskonvolut von Klee-Blättern an die Albertina. Von Kubin zwischen 1910 und 1920 zusammengetragen, dokumentieren sie die Zeit der ersten künstlerischen Reifung Klees. Dieser Sammlungsbestand der Albertina wird nun durch die vertrauensvolle Übertragung herausragender Blätter aller Schaffensperioden Paul Klees durch Carl Djerassi ergänzt.

Die Sammlung von Carl Djerassi

Carl Djerassi, Professor emeritus für Organische Chemie der Stanford University, wurde als „Vater der Antibabypille“ berühmt. Der 1923 in Wien geborene Wissenschafter sammelt seit Mitte der 1960er Jahren mit großem Enthusiasmus und Kennerschaft Werke von Paul Klee. Er selbst beschreibt die Beziehung eines Sammlers zu seinen Werken als „persönliche Liebesgeschichte“. Von den etwa 160 Arbeiten, die Carl Djerassi besitzt, werden der Albertina 67 überantwortet, der zweite Teil der Sammlung ging bereits an das San Francisco Museum of Modern Art. Damit verbindet Carl Djerassi zwei wichtige Lebensorte: Wien – seine Geburtsstadt – und San Francisco – die Stadt, die ihm nach der Emigration aus dem nationalsozialistischen Österreich zuerst Zuflucht und dann Heimat bot.





© Text mit freundlicher Genehmigung der Albertina Wien
Bilder © VBK Wien, 2008. Alle Rechte vorbehalten.

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~ by Stampfli & Turci on July 10, 2008.

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