Kennen Sie Kokoschka ? über die Werkschau im Schloss Belvedere Wien

 

Das Wiener Schloss Belvedere zeigt in einer Werkschau das frühe Schaffen des österreichischen Malers in den späten 1910er Jahren.

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Oskar Kokoschka
Selbstbildnis, 1917
Öl auf Leinwand, 79 x 63 cm
Von der Heydt-Museum, Wuppertal
© Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2008

 

Blick zurück – Götterdämmerung in Oesterreich um 1900

Es brodelt in der Donaumonarchie. Das Habsburger Weltreich, bedrängt von politischen Problemen, sozialen Konflikten und erwachendem Nationalismus, steht vor dem Zerfall.
Auch kulturell brodelt es. Die erste Welle der Moderne schwappt über das Land: die neue Logik in Mahlers Monumentalmusik, der atonale Schönberg, die Freudsche Psychoanalyse, Hoffmansthal, Schnitzler, Jugendstil, Gustav Klimt und Egon Schiele.

Doch auch der kaum entstandene neugestaltende Jugendstil bröckelt bereits. Denn da gibt es jemanden der heftig darauf einhämmert, rücksichtslos, aufsässig, gründlich und kompromisslos. Sein Name ? Kokoschka, Oskar, Maler, geboren 1889.

 

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Oskar Kokoschka
Schlafende Frau (aus: Die träumenden Knaben), 1907/1908
Farblithografie, 23,5 x 21,5 cm
Lentos Kunstmuseum Linz
© Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2008

 

Jugendstil – Expressionismus – Kokoschka

Sehr rasch löst sich Kokoschka vom Einfluss des Jugendstils der „Wiener Secession“, von Klimt. Kaum 20 Jahre ist er alt bei seiner ersten Ausstellung. Seine Exponate schockieren die Öffentlichkeit und die Kunstwelt. Der Skandal ist bestes Marketing, innert weniger Tage sind seine Arbeiten verkauft.
Für seine „Schweinereien“ will ihm Erzherzog Franz Ferdinand alle Knochen im Leib brechen – doch dazu wird es nicht kommen, Sarajevo ist nicht mehr weit – Kokoschka schert sich weder um die Gesellschaft noch um die Kunstwelt. Wien jedoch wird ihm zu „klein“ und er verlässt es. Er sucht neue Wege in Frankreich und Deutschland.

Nervosität, Ungeduld, Leidenschaft zeichnen sein Frühwerk aus. Der Pinsel allein genügt ihm nicht zum Malen; mit Fingernägeln oder scharfen Metallgegenständen kratzt er aufgetragene Farbschichten wieder aus der Leinwand und malt grosse Teile mit den Fingern. Die entstehenden Bilder sind von ungeheurer Ausdruckskraft und widerspiegeln seine Zweifel, Ängste und inneren Kämpfe, seine Ausgrenzung und das Zerbrechen der Liebschaft mit Alma Mahler, die obsessionelle Schlacht zwischen Eros und Geist, und natürlich seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg aus dem er schwerverwundet zurückkam.

 

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Oskar Kokoschka
Salome , 1906
Aquarell auf Papier, 30,5 x 40 cm
Privatbesitz
© Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2008

 

Erstze Phase einer Meisterschaft

Kokoschka wird zu einem der grössten Porträtisten des 20. Jahrhunderts. Er radiografiert die Seele seiner Epoche, dringt hinter die Maske seiner Zeitgenossen. Seine Scharfsichtigkeit beunruhigt. Den berühmten Naturalisten Auguste Forel z.B porträtiert er mit angespannten Fingern, das Auge wie tot, das Gesicht durch Leiden zersetzt. Forel und seine Familie sind schockiert und verweigern den Kauf des Bildes. Zwei Jahre danach erlitt Forel eine Gehirnattacke, die ein Halbseitlähmung zur Folge hatte. Unbewusst hatte Kokoschka die Katastrophe vorausgesehen. Kein Wunder, dass sich die Modele in ihren Portraits nicht wiedererkennen können oder wollen.
Aus dieser Zeit geht auch ein grosser Zyklus Städte- und Landschaftsbilder hervor, der einzigartig ist in der Geschichte der Malerei des 20. Jahrhundert. Ekstasen von Raum und Bewegung, Harmonie von Farben und Formen, fieberhaftes Leben das sein eigenes Innenleben widerspiegelt.

 

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Oskar Kokoschka
Doppelbildnis Hans und Erika Tietze, 1909
Öl auf Leinwand 76,5 x 136,2 cm
Museum of Modern Art, New York
© Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2008

 

Die erste Phase seiner grossen Meisterschaft hat begonnen. Zu sehen ist sie bis 12. Mai im Schloss Belvedere in Wien.

Helmut Stampfli, Kunsthändler u. Gallerist
Espaces Arts & Objects
, Lausanne

Besonderen Dank an den Britischen Fashion Designer Roubi L’Roubi, für seine Anregung zu diesem Artikel und seiner zuvorkommender Unterstützung durch das exklusive RoubiMagazine – London.

 

Oskar Kokoschka „Träumender Knabe – Enfant terrible“
Schloss Belevedere, Wien
24. Januar – 12.Mai 2008

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~ by Stampfli & Turci on March 7, 2008.

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